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Geschichte in der Sekundarstufe II

Wie auch in anderen Fächern stellt der Unterricht in der Oberstufe die Schüler vor neue Herausforderungen durch ein stärker wissenschaftlich geprägtes Vorgehen. So zeichnet sich der Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe II durch vertieftes historisches Arbeiten an ausgewählten Themen, insbesondere über eine Analyse längerer Quellentexte, aus. Nicht mehr der große und weitgehend chronologische Überblick, sondern die Auseinandersetzung mit einer besonders relevanten Phase oder Thematik der Geschichte in jedem Halbjahr ist Gegenstand des Unterrichts. Die Fertigkeit, Quellen zu beschreiben, zu deuten und zu bewerten, ist dabei von zentraler Bedeutung, auch im Hinblick auf die Möglichkeit, das Fach nun als ein schriftliches Klausurenfach oder ab der Jahrgangsstufe Q1 (11) als Leistungskurs zu wählen. Zumindest in Kooperation mit den anderen Detmolder Gymnasien ist es in den letzten Jahren immer gelungen, den Schülerinnen und Schülern einen solchen Leistungskurs Geschichte anzubieten. Der besondere Bildungswert, der dem Fach Geschichte seitens des Landes Nordrhein-Westfalen eingeräumt wird, erschließt sich außerdem dadurch, dass auch weniger historisch Interessierte spätestens in Jahrgangsstufe Q2 (12) über zwei Halbjahre in einem so genannten Zusatzkurs das Fach Geschichte belegen müssen.

Geschichte ist in der Sekundarstufe II zudem das verbindliche bilinguale Sachfach. Es wird durchgängig mit drei Wochenstunden erteilt und muss – will der betreffende Schüler/die betreffende Schülerin das „Bilinguale Abitur“ erhalten - in Kombination mit einem Englisch-Leistungskurs als drittes (= schriftliches) oder viertes (= mündliches) Fach in die Abiturprüfung eingebracht werden. In der Jahrgangsstufe EF (10) werden der bilinguale und ein deutschsprachiger Geschichtskurs zeitlich parallel geführt, so dass nach dem ersten oder spätestens nach dem zweiten Halbjahr der Jahrgangsstufe EF (10) noch ein Wechsel in den deutschsprachigen Unterricht möglich ist.

Ein Abiturjahrgang erkundet große Geschichte vor Ort

Revolution! Lippe 1918 - Aufbruch in die Demokratie

Die Geschichtskurse der Q2 von Frau Wiegelmann und Herrn Schmidt haben die Ausstellung „Revolution! Lippe 1918“ besucht. Die Ausstellung im Lippischen Landesmuseum, die unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht, beleuchtet den Wandel von vor 1914 bis zum Beginn der Weimarer Republik im Fürstentum Lippe.

In der Vorkriegszeit war das Fürstentum Lippe geprägt von der Monarchie, hier von Fürst Leopold IV. Früher, wie seit kurzem auch wieder, lebte die Fürstenfamilie in der Detmolder Innenstadt im Stadtschloss. Damit waren sie immer in Volksnähe und haben aktiv am täglichen Leben teilgenommen. Dadurch war die Identifikation, die die Bürger mit ihrer Fürstenfamilie verband, sehr groß. Zusätzlich hat sich Fürst Leopold IV auch mit seinem Privatvermögen an der Instandhaltung und dem Wiederaufbau von Gebäuden beteiligt. So baute er das heutige Landestheater mit Teilen seines Privatvermögens nach dem Brand von 1912 auf und baute die Leopoldakademie (heute Müller,-TKMaxx,-C&A- Komplex). Hier sollten die zukünftigen Beamten ausgebildet werden. Abgesehen von den Studenten war Detmold eine Stadt, in der viele Pensionäre, ehemalige Militärs und Kaufleute aus der gehobenen Mittelschicht in Ruhe beisammen lebten.

Doch ab 1914 sollte nichts mehr so sein wie es war.

Ein nachgebauter Schützengraben im Museum zeigte einerseits die Soldaten an der Front, anderer-seits die Heimatfront, wo die zurückgebliebenen Familien auf den vermeintlich schnellen Sieg des Krieges warteten. Aus Lippe/Detmold wurde das 55er-Regiment (mit Fürst Leopold als Oberbefehls-haber ehrenhalber) entsandt. Der Fürst selbst reiste zu zahlreichen Frontbesuchen, kämpfte jedoch nicht aktiv mit, was zu Unmut unter den lippischen Soldaten führte.

Auch an der Heimatfront schwand die Zuversicht. Der Kauf von Kriegsanleihen rentierte sich zusehends weniger. Zu Beginn wurden noch mit viel Enthusiasmus und - als Zeichen der Unterstützung - Nagelrosen gehämmert. Eine hölzerne Rose, die mit Mustern benagelt wurde, ist soweit einzigartig in Deutschland!

Gedämpft wurde die Stimmung zusätzlich durch die Explosion in einer einer Munitionsfabrik in der Elisabethstraße. Die Sicherheitsvorschriften wurden nicht eingehalten. So öffneten sich die Türen nur nach innen und Fenster waren nicht im Gebäude integriert. Die Explosion kostete vielen Frauen, vor allem Jugendlichen, das Leben. Die meisten waren nicht älter als 14 Jahre und die Familien abhängig von deren Lohn. So hinterließ der erste industrielle Krieg seine Narben; nicht nur bei den Soldaten, die durch Gasangriffe verletzt wurden oder massenhaft starben, sondern auch bei der Zivilbevölkerung.

Am 3. November 1918 folgte dann die Reaktion der Soldaten auf die Kriegsführung des Kaisers.  Der Kieler Matrosenaufstand war in der Reflexion das Bedürfnis der Bevölkerung nach Frieden und Ruhe. Sterben für die Ehre des Kaisers, dazu war keiner mehr willens. Am 9. November 1918 folgte die Reaktion der Politik. Der Kaiser dankte ab und floh in die Niederlande. Philipp Scheidemann rief die Republik aus. Der radikale Bruch war vollzogen. Doch von Einigkeit war man weit entfernt.

Am 11. November 1918 wurde auch die rote Fahne als Zeichen der Revolution auf dem Detmolder Schloss gehisst.  Am 10. November, einen Tag zuvor, hatte sich ein Volks- und Soldatenratgebildet, der die Abwicklung der Monarchie in Lippe übernahm. Anders als die sonst in Deutschland gegründeten „Arbeiter- und Soldatenräte“ war die lippische Variante gemäßigt.

 

 

Am 12. November 1918 um 01:00 morgens dankte Fürst Leopold IV ab: Das Ende einer Ära (siehe Foto: Thronverzichtsurkunde). Nach dem sogenannten Domanialstreit mit dem Volks-und Soldatenratdurften Leopold und seine Familie 18% des Familienvermögens behalten. Dies war an die Bedingung geknüpft, alle Gebäude für die Öffentlichkeit zu öffnen.

Damit lief die Revolution in Lippe gewaltlos ab. Am 6. Dezember 1918 formierte sich zwar eine kleine gewaltsame Gruppe von Soldaten, die jedoch keinen ihrer Pläne umsetzen konnte.  Eher wehmütig und versöhnend verabschiedeten die Soldaten ihren Fürsten vor dem Detmolder Schloss.  Mit der Thronverzichts-erklärung Leopolds verloren die Lipper die Identifikationsfiguren, ihr Fürstenpaar.

Die Politik in der Weimarer Republik sollte in ihrer gesamten Bestehenszeit nicht in der Lage sein, ein derartiges Identifikationspotenzial für die Bürger zu entwickeln. Die Unentschlossenheit spiegelte sich auch in den lippischen Wahlergebnissen wieder. Die SPD wurde mit über 50% stärkste Kraft. Doch der rechte Flügel war immer stark. Die liberale Mitte dagegen äußerst schwach.  U.a. diese innere Zerrissenheit innerhalb der Bevölkerung führte zur Wahl Hitlers und zu den Grausamkeiten des Dritten Reichs.

Heinrich Drake setzte sich für die Erhaltung des fürstlichen Erbes ein. So ist der Landesverband noch heute Schirmherr des Lippischen Landesmuse-ums, des Landestheaters und vielem mehr.  Obwohl die Revolution in Lippe nicht gewaltsam abgelaufen ist, kann man den Systemwech-sel dennoch als Revolution bezeichnen. Es war eine „Schreibtischrevolution“.

Leonie Budde und Florentine Dammann, Q2